Hobelmesser-Erfahrungsbericht

Einem Holzwerkertreffen in Darmstadt habe ich das großzügige Geschenk von Gerd zu verdanken: Eines seiner selbstgefertigten Hobelmesser, passend für meinen Low angel jack plane von Veritas, mittlerweile auch für meinen Bevel-Up Jointer Plane, also für die Veritas Flachwinkel Raubank.

Der erste Eindruck war ganz klar überzeugend, das Eisen ist ein Stück dicker als die Original Veritas-Eisen, etwa 1-2 mm. Selbstverständlich kam es komplett geschärft und gebrauchsfertig, wir hatten es seinerzeit natürlich gleich eingebaut und alle Anwesenden waren überzeugt von der guten Schneidleistung. Gerd bat mich einen Langzeit-Erfahrungstest durchzuführen, wofür er mir das Eisen überlassen hat.

Hier nun also meine Erfahrungen:

Das Eisen so wie es von Gerd kam war rattenscharf und ging auch durch schwierige Hölzer mit wechselnden Wuchsrichtungen (bei mir in der Hauptsache Ahorn) wie durch Butter. Nach einiger Zeit ließ die Schneidleistung natürlich etwas nach, aber nicht so rapide wie bei den Veritas Eisen. Insgesamt war die Standleistung ca. doppelt so hoch wie bei den Veritas-Eisen. Eindeutig ein Pluspunkt für Gerds Eisen.

Die Flachwinker neigen ja ohnehin nicht so sehr zum Flattern, mit Gerds Eisen aber war davon nichts, aber auch gar nichts zu spüren. Noch ein Pluspunkt.

Das Schärfen dauert definitiv länger als bei einem Veritas-Eisen. Ich schärfe auf japanischen Wassersteinen (200er nur wenn nötig, dann ein 1000er, abschließend ein 8000er), eine 5° Microfase und eine 3° Rückenfase auf der Spiegelseite. Da der Stahl von Gerds Eisen härter ist als der Stahl der Veritas-Eisen, braucht es logischerweise mehr Zeit zum Materialabtrag. Dies könnte man als Minuspunkt sehen, ich tue es aber nicht, da ich ja mit eine unproportional längeren Standzeit belohnt werde.

Ich hobel nicht ausschließlich per Hand, im Wesentlichen bearbeite ich nur zum Schluss die Flächen mit den Flachwinklern. Einzig wenn die Breite eines Brettes die Nutzung der Hobelmaschine nicht mehr zulässt, kommen die Handhobel auch Stärke in Gebrauch. Gerade für diese Fälle ist Gerds Eisen die erste Wahl für mich, da ich einfach nicht so oft zum Schärfen unterbrechen muss.

Ganz besonders möchte ich noch eine Hauptnutzung erwähnen: Ich stelle sehr gerne und recht häufig offene Schwalbenschwanz-Verbindungen her. Hier werden von mir die Schwalben und Zinken jeweils ca. 0,5 mm länger als die Brettstärke hergestellt und anschließend verputzt. Da hier ja Stirnholz gehobelt wird, kommt vernünftigerweise nur ein Flachwinkelhobel für mich in Frage. Die Kombination von Veritas-Rauhbank bestückt mit dem Eisen von Gerd liefert hier wunderbare Oberflächen bei einem geringen Kraftaufwand. Die Masse des Hobels bringt die scharfe Klinge so in Schwung, dass es nur so zischt. Oft kann ich tatsächlich hauchdünne Späne vom Stirnholz abhobeln. Natürlich zerbröseln die Späne bei der geringsten Berührung, aber es macht (mir) doch deutlich, wie perfekt das funktioniert.

Will ich aber schnell mal eine Fläche verputzen und es ist kein scharfes Eisen im Hobel, greife ich immer gerne auf die Veritas-Eisen zurück, aber nur weil die eben schneller geschärft sind und ich abends oft keine Lust habe, lange Zeit mit Schärfen zu verbringen.

Da ich aber mittlerweile in der glücklichen Lage bin, drei Eisen für zwei Hobel zu besitzen (2 x Veritas, 1 x Gerd Fritsche), bin ich dazu übergegangen immer alle drei Eisen zu schärfen und dann nacheinander zu nutzen bis es wieder Zeit ist für einen Gang an die Wassersteine. Dank dieser Methode und vor allem Dank der langen Standzeit von Gerds Eisen ist mir bislang noch bei keinem Projekt „unterwegs die Puste ausgegangen“. D.h. mit den vorhandenen und geschärften Eisen konnte ich immer bis zum Schluss arbeiten.

Fazit:
Der Preis von Gerds Eisen ist mir nicht bekannt, ich würde ihn aber jederzeit zahlen, da sich das Zeit-Verhältnis zwischen Schärfen und Arbeiten deutlich positiv zum Arbeiten hin verschiebt. Wenn man aber den Handhobel nur einmal im halben Jahr hernimmt um eine Brettfläche zu verputzen, lohnt es sich vielleicht nicht. Für die Bearbeitung von Stirnholz, würde ich ein Fritsche-Eisen immer vorziehen. Auf jeden Fall ist Arbeiten mit dem Eisen eine Offenbarung und um Klassen von den Original-Eisen entfernt.

Beste Grüße und nochmals herzlichen Dank an Gerd

Gero

(Gästebucheintrag von Gero Meyhöfer)

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